Mit sieben schon Co-Pilotin. Verena Thurner gibt Motorsportdebüt in Papas Rallyeauto - Navigation statt Geschwindigkeit.


Kienberg. Volle Konzentration auf das Roadbook heißt es am kommenden Samstag für die erst siebenjährige Verena Thurner aus Kienberg. Die Erstklässlerin schnuppert bei einer Youngtimer-Ausfahrt im Bayerischen Wald erstmals Motorsportluft: Als Co-Pilotin im Rallye-Boliden ihres Vaters Detlef.

Zum fünften Mal veranstaltet der MSC Dreiburgenland seine Young- und Oldtimerausfahrt, ein Motorsportwettbewerb, bei dem man die Rundstrecke nicht möglichst schnell, sondern mit möglichst gleichmäßigen Tempo bewältigen muss. Bei diesem Unterfangen kommt dem Beifahrer besondere Bedeutung zu. Er muss das Team mit Hilfe des Roadbooks über die unbekannte Strecke navigieren. In dem Bordbuch weisen Pfeile und Symbole, Kilometer- und Zeitangaben sowie markante Punkte auf der Route den Weg zur nächsten Kontrollstelle. Der Co-Pilot muss dem Fahrer die Angaben zum richtigen Zeitpunkt und in der korrekten Reihenfolge vorlesen.

"Konzentration, Orientierungssinn und auch Rechenbegabung sind da schon nötig", sagt Verenas Mutter Andrea Thurner aus Erfahrung. Denn bei den Rundfahrten ist sie die etatmäßige Co-Pilotin ihrer Mannes Detlef. Am kommenden Samstag muss sie die gewohnten 130 PS des Opel Corsa Sprint aber zu Gunsten einer Pferdestärke hintan stehen lassen, weil sie Sohn Michael zu einem Reitturnier begleitet. "Da haben wir uns überlegt, dass Verena das doch auch gut hinkriegen würde. Sie kann gut lesen und rechnen, und wir haben es auch schon geübt und trainiert."

Und so fiebert Verena Thurner nun ihrer Motorsport-Premiere auf dem Beifahrersitz eines Rallye-Renners entgegen. "Mit einer Sitzerhöhung darf sie vorne sitzen, und sie ist ohnehin relativ groß gewachsen", sagt Mutter Andrea, die sich an eine Rundfahrt mit einem zehnjährigen Nachwuchs-Beifahrer erinnert. "Verena dürft da also so ziemlich die Jüngste sein."

85 Kilometer Fahrstrecke wird Verena an der Seite ihres Papas auf dem "heißen Sitz" im Opel Corsa Sprint bewältigen. Das Rallyeauto, Baujahr 1985, gehört zu den so genannten Youngtimern, die quasi als junge Oldtimer gelten.

Detlef Thurner, Jahrgang 1963, begann 1982 mit dem aktiven Motorsport, damals auf einen Ford Escort MK II RS 2000 bei Automobilslaloms, Rallyes und Geschicklichkeitsturnieren. Nach einer Pause für Hausbau und Familie von 1990 bis 2002 legte er, für den MSC Engelsberg startend, wieder los, im ADAC Slalom Super-Cup und bei der "Admont Classic" in Österreich. Seit heuer ist der Kienberger auch noch Beifahrer des Starnbergers Guido Keller im BMW 325e des erfolgreichen Teams MotorsportBayern.

Trostberger Tagblatt

Bildbeschreibung: Training mit dem Roadbook, der Bibel aller Rallyefahrer: Verena Thurner freut sich auf ihren ersten Start als Beifahrerin im Rallyeauto ihres Vaters.